Registrierung 107. Auktion
Zemanek-Münster

Thronhocker "rü mfo" ·  Kameruner Grasland, Bamum, Nji Nkome oder seine Werkstatt · ID: 3053600

Aufruf
100.000 €
Schätzpreis
150.000 €
Provenienz
Sultan Ibrahim Njoya, Foumban, Cameroon (until 1906)
Personal gift of Sultan Ibrahim Njoya to the missionary Martin Göhring of the Basel Mission (ca. 1906)
Martin Göhring (1871 - 1959)
Göhring Family Collection
According to Göhring’s daughter Theodora the throne belonged to the Queen Mother Njapundunke.
Arno Henseler, Munich, Germany
Größe
H: 69 cm
D: 76 cm
H: 27.2 inch
D: 29.9 inch

Beschreibung

Holz, Stoff, Glasperlen, Kaurischnecken, rest.

Die Schatzhäuser König Njoyas beherbergten zahlreiche mit Perlen besetzte Throne und Hocker aus kostbaren Materialien, deren ikonographische Motive dem Königshaus vorbehalten waren. Der vorliegende Hocker ruht auf vollplastisch geschnitzten Schlangen, dem zentralen Herrschaftssymbol der Bamum-Könige. Die runde Sitzfläche ist vollständig mit Kaurischnecken besetzt, die als Sinnbilder von Reichtum, Prestige und königlicher Macht gelten.

Seine außergewöhnliche Wirkung wird durch den aufwändigen Besatz mit Tausenden farbiger Glasperlen noch gesteigert, die von den Menyam-Spezialisten ausgeführt wurden. Nach Einschätzung des Perlenexperten Michael Oehrl sind die verwendeten Glasperlen charakteristisch für die Zeit zwischen etwa 1860 und 1900 und wurden vermutlich überwiegend in Venedig gefertigt.
Die runden Samenperlen in Rosa, Weiß, Kupferblau, Red-White-Heart, Hellblau und Schwarz sowie die roten und kobaltblauen zylindrischen Perlen entsprechen typischen Formen und Farbvarianten dieser Zeit. Besonders bemerkenswert sind die seltenen, weiß gestreiften Perlen des sogenannten Gooseberry-Typus in den Rauten an der Außenkante der Sitzfläche. Während dieser Typus bereits seit dem späten 18. Jahrhundert in Afrika geschätzt wurde, begegnet er hier in Form gebrochener Glasstäbe, gleichsam als Rohmaterial. Die zeittypische Zusammenstellung der Perlen und ihre Farbpalette lassen Oehrl zufolge eine Entstehung des Hockers um 1880 vermuten.

Der hohe materielle und symbolische Wert der über weite Handelsnetze importierten Perlen unterstreicht den exklusiven Status solcher höfischen Insignien. Mit seiner qualitätvollen Ausführung und vielschichtigen Symbolik zählt der Hocker zu den herausragenden Beispielen der höfischen Kunst der Bamum und veranschaulicht eindrucksvoll die enge Verbindung von künstlerischer Meisterschaft, politischer Autorität und repräsentativer Funktion.


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