Sitzender Schalenträger · Kameruner Grasland, Bamum · ID: 3053516
Beschreibung
Holz, bunte Perlen,
Monumentale Schalenträgerfiguren werden regional als “mfeuk-meunju”, “ntumbi” oder “nduli-fu-keuh” bezeichnet. Solche anthropomorphen Figuren, die ein tiefes halbkugelförmiges Gefäß tragen, gehörten zu den bedeutendsten zeremoniellen Objekten der Graslandkulturen Kameruns.
Je nach Region erfüllten sie unterschiedliche Funktionen im religiösen und gesellschaftlichen Leben: Sie wurden bei wichtigen Begräbniszeremonien eingesetzt, dienten als Behälter für Kolanüsse bei höfischen Empfängen und spielten eine Rolle bei der Bestimmung von Nachfolgern sowie bei Versammlungen der Würdenträger. Darüber hinaus wurden sie bei Heiratszeremonien verwendet, bei denen die symbolische Kolanuss ausgetauscht wurde.
Das Kauen der bitteren Kolanuss im alten Kamerun lässt sich mit unserer heutigen Gewohnheit, Kaugummi zu kauen, vergleichen. Kein Mann verließ sein Zuhause ohne einen Vorrat an Nüssen. Die Kolanuss wirkt anregend. Die ihr nachgesagten aphrodisierenden Wirkungen trugen zusätzlich zu ihrer Beliebtheit bei.
Die Herrscher hielten Behälter bereit, die mit frischen Blättern ausgekleidet und mit Kolanüssen gefüllt waren, um sie ihren Gästen jederzeit anbieten zu können. Eine Kolanuss gemeinsam mit dem Herrscher zu knacken, galt als höchster Ausdruck von Gastfreundschaft und Vertrauen.
Publikationen
Eisenhofer, Stefan & Karin Guggeis, Afrikanische Kunst, München, Berlin 2002, p. 70, ill. 50

