106. Auktion
Zemanek-Münster

Relief, Späte Klassische Periode, ca. 750 - 850 n.Chr. ·  Mexiko, Maya, Bonampak, Chiapas · ID: 3052993

Aufruf
80.000 €
Schätzpreis
160.000 €
Provenienz
Bonampak / Lacanha region, Mexico
Jules Berman, Beverly Hills, USA
Aliberto Guidani, Florence & Milano, Italy
German Private Collection, Munich
Größe
H: 75 cm
B: 43 cm
4,5 cm
H: 29.5 inch
B: 16.9 inch
1.8 inch

Beschreibung

feiner Sandstein,

Das gut erhaltene Sandsteinrelief enthält eine Inschrift bestehend aus 28 Glyphen, die in vier Reihen in sieben Blöcken verfasst wurde und ist an Ober-, Unter- und linker Seite von einer Rahmung eingefasst.

Das Relief wird seit 1973 erforscht und ist bis in die Gegenwart Teil wissenschaftlicher Arbeiten zur Archäologie als auch zur Maya-Epigraphik.

Der Text setzt mit einer unvollständig erhaltenen Distanzzahl ein, die vermutlich zwei Daten miteinander verknüpfte; das zugehörige Einleitungszeichen der Distanzangabe fehlt.

Im Anschluss wird ein bislang nicht näher bestimmbares Ereignis geschildert, das sich auf eine hochrangige Person bezieht, die als Fänger bzw. Erbeuter von vierzehn Gefangenen bezeichnet wird und mehrere Titel trägt, darunter die Funktion als “Hüter von Lakamtun” sowie die Nennung als “K’atun” - Herr.

Weitere Textpassagen nennen Orts- und Eigennamen wie „Xukalnahb“ und „Yaxik’“ und verorten die dargestellte Persönlichkeit damit in einem klar umrissenen politischen und rituellen Umfeld der klassischen Maya-Welt. Zugleich erscheint sie in Verbindung mit dem Begriff „wayab“, der auf eine schamanisch-magische Funktion verweist, sowie mit dem Rangtitel „kaloomte“, einem der höchsten Herrschertitel, der sinngemäß „der Handelnde“ oder „derjenige, der Macht ausübt“ bedeutet und auf übergeordnete Autorität hindeutet.

Die dynastische Legitimation wird durch die Formel „u mijin“ („Sohn des Mannes“) betont, welche die genealogische Kontinuität und rechtmäßige Amtsnachfolge hervorhebt. Erwähnt wird darüber hinaus ein „junger göttlicher Herr“ („h’ok jukub ajaw“), was auf die sakrale Überhöhung des Herrschers im Sinne des göttlich legitimierten Königtums verweist. Mit „ak’e“, verstanden als Emblem-Glyphe von „Bonampak“ beziehungsweise „Lacanhá“, wird die politische Zugehörigkeit zu einer konkreten Stadt- oder Dynastieeinheit markiert.

Den Abschluss bildet die Bezeichnung „bakab“ („Erster der Erde“), ein kosmologisch aufgeladener Titel, der den Herrscher in eine mythologische Dimension einbindet. In ihrer Gesamtheit entfalten die Inschriften somit ein vielschichtiges Bild von Macht, Abstammung und sakraler Weltordnung und unterstreichen die herausragende historische wie rituelle Bedeutung des Objekts.


Expertise

Donald Hales, Hieroglyphic Panel from the Bonampak / Lancha region, 8 February 2026


Vergleichsliteratur


Publikationen

Pahl, Gary W., Pre-Hispanic Mexican Ar. Jules Berman Collection of Mexican Pre-Columbian Art, San Diego 1973, p. 12 ff.; Mayer, Karl-Herbert, Maya Monuments II, Sculptures of the Unknown Provenance in the United States, No. 30, p. 38 f., pl. 48, Ramona 1980; Mayer, Karl-Herbert, Maya Monuments V, Sculptures of the Unknown Provenance, Supplement 2, p. 18, pl. 76, Berlin 1989; Houston, Stephen D., Archaeology and Maya Writing, Journal of World Pre-History Vol.3, p. 18, fig. 5c; Patterson, Leonardo (ed.), The Magic of Middle American Culture Before 1492, München 1992, p. 60 ff.; Delgado, Paulino Castenada, et. al, La Iglesia en Angelica Evangelization y Cultural, Sevilla 1992; Biro, Peter, The Classical Maya Western Region, Oxford 2011, p. 236 ff., fig. 232


Ausstellung

Expo 1992, Sevilla, Spain, 20 April - 12 October 1992


Hinweise

Dieses Objekt unterliegt dem Kulturgutschutzgesetz. Für den Export sind gebührenpflichtige Ausfuhrdokumente nötig.


Abonnieren Sie unseren Newsletter

Verpassen Sie keine Auktion! Schließen Sie sich unserer Community von über 10.000 Tribal Art Sammlern an und erfahren Sie es als erstes, wenn es Neuigkeiten gibt.

Jetzt abonnieren