106. Auktion
Zemanek-Münster

Monumentale Urne, Klassische Periode, ca. 400 - 800 n.Chr. ·  Guatemala, Westliches Hochland, K’iche’ Maya (Quiché) · ID: 3052914

Aufruf
90.000 €
Schätzpreis
180.000 €
Provenienz
Francois Persoons, Brussels, Belgium (1968)
Marianne Huber, Antwerp, Belgium (1985)
Galerie Alt-Amerika, Ulrich Hoffmann, Stuttgart, Germany (1993)
Größe
H: 77,5 cm
D: 68 cm
B: 81 cm (with lateral flanges)
H: 30.5 inch
D: 26.8 inch
B: 31.9 inch (with lateral flanges)

Beschreibung

Keramik, Pigmente in Türkisblau, Rot, Gelb, Schwarz und Weiß,

Die Arbeit wurde 2001 aufwändig restauriert, wobei zunächst unbefriedigende alte Restaurierungsmaßnahmen weitgehend beseitigt wurden. Ein ausführlicher Restaurierungsbericht mit fotografischer Dokumentation liegt vor.

Urnen aus der K’iche’- Region Guatemalas sind die größten plastisch verzierten Tongefäße, die von den Maya geschaffen wurden. Dabei ist das vorliegende Exemplar größer, als die meisten der uns bekannten Stücke.

Die Urnen bargen die Überreste bedeutender Personen, die entweder als eng gebundenes Leichenbündel direkt in die Urne gelegt wurden oder deren Knochen in einer Sekundärbestattung hineingelegt wurden. Manche Urnen waren mit einem Deckel versehen, der figural ausgestaltet sein konnte. Ein Urnengefäß aus dem Museo Popol Vuh in Guatemala City kann dafür als Beispiel dienen (siehe Foto). Weihrauchbehälter zum Entzünden von Copalharz zur Begleitung ritueller Zeremonien sollen sich auf den Urnen befunden haben.

Die Ikonographie der meisten dieser Urnen stellt Vorfahren dar, die aus dem Rachen von Visionsschlangen hervortreten. Die Darstellung bezieht sich auf die Erzeugung von Visionen und die Anrufung von Vorfahren. Auch Jaguare treten in diesem Kontext auf, denn der Jaguar wird in der Vorstellungswelt der Maya mit der Nacht und mit Unterweltsikonographie in Verbindung gebracht (nach Eggebrecht, S.564).

Die Vorderseite dieser Urne ist mit dem Bildnis eines Ahnen verziert, der nach seinem Tod in die Geistgestalt einer Gottheit transformiert wurde. Dargestellt ist möglicherweise der „Jaguargott der Unterwelt“, der als das nächtliche Äquivalent von “Kinich Ahau“, dem Sonnengott aus dem “Popol Vuh” gilt. Er blickt aus dem gewaltigen Rachen eines Erdmonsters hervor, das ebenfalls feline Züge trägt, wie die herzförmigen Ohren und die fleckige Fellzeichnung belegen. Das Erdmonster verkörpert in symbolischer Hinsicht die Unterwelt. Der aufgesperrte Rachen als Ein- und Ausgang ins Innere der Erde, er verschlingt und gibt wieder frei zu neuem Leben. Die Ikonographie mag ein Hinweis sein auf den Glauben der Maya an die tägliche Wiedergeburt der Sonne, verbunden mit dem Leben und Gedeihen der Menschen, Tiere und Pflanzen.

Diese Urnen wurden an den Eingängen von Höhlen, Tempeln oder Wasserlöchern, den sogenannten Cenoten, aufgestellt – also an all jenen Orten, die als Übergänge von der Oberfläche der Erde in ihr Inneres galten.

Aufgrund der Seltenheit der Maya-K’iche’- Urnen besitzen nur wenige Museen entsprechende Exemplare. Die meisten befinden sich wohl im Museo Popol Vuh in Guatemala City. Eine K’iche’-Maya-Urne gleicher Form und Ikonographie, aus der John Bourne Collection, gelangte 2009 in die Bestände des Walters Art Museum in Baltimore (Zugangsnr. 2009.20.41). Eine weitere, aus der Sammlung Jorge y Ela Castillo, Guatemala, ist publiziert bei Henri Lehmann, Arts Mayas du Guatemala, Paris 1968, S. 162, Abb. 245. Beide Urnen sind allerdings um einiges kleiner als das vorliegende Exemplar (Walters Museum: H: 55,8 cm / B: 67 cm; Guatemala Castillo: H: 52 cm).


Expertise

Thermoluminescence report, No. 961017, R. Kotalla, Haigerloch, 17 October 1996


Vergleichsliteratur

Eggebrecht, Eva & Arne, (ed.), Die Welt der Maya, Mainz 1992, p. 565, ill. 233 Lehmann Henri & Suzanne, Arts Mayas du Guatemala, Paris 1968, p. 162, ill. 245 Hellmuth, Nicholas M., Elderly féline-humanid emerging from monster mouth, a special example of Classic Maya art of the Quiche Highlands, October 1994


Publikationen

Hoffmann, Ulrich, Faszination Alt-Amerika, Stuttgart 2002, p. 81; Hoffmann, Ulrich, Schätze Alt-Amerikas, Stuttgart 2012, p. 126, ill. 1; Expo cat.: Serge Schoffel, Art Premier, Brussels, Belgium, 2016, p. 126-129


Ausstellung

Köln, Rheinauhafen, Imhoff-Stollwerck-Museum, April 1997 - April 1999 (on loan to the museum); Brussels, Belgium, "BRAFA" (Brussels Antiques & Fine Arts Fair), 23-31 January 2016 (Serge Schoffel)


Hinweise

Dieses Objekt unterliegt dem Kulturgutschutzgesetz. Für den Export sind gebührenpflichtige Ausfuhrdokumente nötig.


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