"Malagan"-Skulptur · Papua-Neuguinea - Bismarck Archipel - Neu Irland · ID: 3052904
Christie’, Amsterdam, 12 May 1998, lot 101
Seymore & Alice Lazar, Palm Springs, USA
Lempertz, Brussels, 1 February 2023, lot 107
Jo de Buck, Brussels, Belgium (2023)
Kellim Brown, Brussels, Belgium
Beschreibung
Holz, Pigmente, Sockel, Etikett auf Sockel “CE 034”
“Malagan”-Schnitzwerk in rahmender Konstruktion mit zwei übereinander angeordneten Zonen. Oben ein maskenhaftes, anthropomorphes Gesicht mit betontem Augenrelief (mit Einlagen), kräftig modelliertem Mund und hoher, konischer Kopfbekrönung. Darunter ein zoomorpher Schweine- / Eberkopf mit markanten Ohren, blauen Augeneinlagen und weit ausschwingenden Hauern.
„Malagan“ bezeichnet auf Neuirland zugleich ein System von Zeremonien und die damit verbundenen Bildwerke. Über das Leben hinweg erwerben Menschen - besonders Männer in einem regelrechten Statuswettstreit - Rechte an bestimmten “malagan”-Motiven und an der Durchführung der Riten; dieser Besitz bringt Ansehen.
Die aufwändigsten Schnitzereien entstehen für die letzte Gedenkzeremonie eines Verstorbenen, die wegen Kosten und Vorbereitung oft erst Monate oder Jahre nach dem Tod stattfindet. Ziel ist, „den Tod zu vollenden“: Der Verstorbene wird nochmals erinnert und gewürdigt, während zugleich Erbschaft, Landübertragungen und Nachfolge innerhalb von Clan und Gemeinschaft geregelt werden. Auf ritueller Ebene gilt die Zeremonie auch als Prozess der Rückgewinnung und Übertragung von Lebenskraft, die in den Objekten wirksam wird.
Zum Fest gehören ein “malagan”-Haus als Präsentationsort, maskierte Tänze, Muschelgeld-Austausch, ein üppiges Mahl (u. a. Taro, Schwein, Bananen) und das Schlachten zahlreicher Schweine. Nach Erfüllung ihres Zwecks werden “malagan”-Schnitzereien zerstört, dem Verfall überlassen oder verkauft. Die Toten werden ins “biksolwara” - die Tiefe des Meeres - verabschiedet.
Vergleichsliteratur
Conru, Kevin (ed.), Bismarck Archipelago Art, Milan 2013, p. 260-295

