Kopfplastik eines "bieri" - Reliquiars
Eduard Hess, Basel, Switzerland
Beschreibung
Holz, satte schwarze Patina, stellenweise krustiert, ebenmäßige Gesichtszüge: konkav eingeschwungenes herzförmiges Gesichtsfeld mit großen Metallaugen, der Haaransatz begrenzt durch diademartiges Band, gerillte Frisur mit Mittelgrat, auf säulenartig langem Hals mit mehreren Bohrlöchern zur Befestigung an der Basis, Spuren von Verwitterung ebenda, min. best., kleinere Fehlstellen, auf abgetreppten Sockel montiert;
im Rahmen des “bieri”- Kultes (= Schädelkult) verwendet. Die Schädel wurden bei den Fang in einem zylindrischen Behälter aus Baumrinde aufbewahrt und mit einem Kopf oder einer Figur versehen, der oder die im Deckel befestigt wurde. Dieses, Rindenschachtel und Kopf oder Figur umfassende Objekt heißt “bieri” und diente sowohl innerhalb der Familie als auch bei den Zeremonien der bündischen Organisationen religiösen und magischen Zwecken. Kopf bzw. Figur sollten an den Toten erinnern und hatten zudem Wächterfunktion, sollten Uneingeweihte, vor allem Frauen, davon abhalten, den Inhalt der Schachtel zu untersuchen. Die “bieri” wurden bei jeder Kulthandlung mit Öl oder Blut bestrichen und mit Nahrung versorgt, wobei die wichtigste Kulthandlung die Knabeninitiation war.