106. Auktion
Zemanek-Münster

Große polychrome Bechervase, Klassische Periode, ca. 550 - 800 n.Chr. ·  Guatemala, Nördliches Petén-Gebiet / Südliches Campeche, Maya · ID: 3053008

Aufruf
40.000 €
Schätzpreis
80.000 €
Provenienz
Walter Randel, New York, USA
German Private Collection, Munich
Größe
H: 27,3 cm
D: 14 cm / 15 cm
H: 10.7 inch
D: 5.5 inch / 5.9 inch

Beschreibung

Keramik, erdig-rote Grundierung, in hellem Orange, Weiß und Schwarz bemalt, aufwändig rest.

Exquisites Werk der Maya-Hochkultur. Das Gefäß ist mit einem komplexen Tableau aus Gottheiten und mythologischen Szenen überzogen. Die Ausführung besticht durch außerordentliche Feinheit und minutiöse Detailgenauigkeit.

Die Darstellung wird von zwei gigantischen “Cauac”-Monstern (Fig. 3 und 10) eingefasst, die ihre übliche Funktion als Sitze oder Throne erfüllen. Im Zentrum steht die Verehrung des Weltenbaumes (Abb. 6), der einer vierpassförmigen Kartusche (Fig. 7) entwächst. In ethnografischer und kosmologischer Hinsicht verweist der Weltenbaum auf die Verbindung zwischen Unterwelt, irdischer Sphäre und Himmel und ist damit ein zentrales Symbol mesoamerikanischer Weltvorstellungen.

Der “Cauac-Monster-Thron” links außen trägt zwei Figuren (Fig. 1 und 2), beides Gottheiten, die mit Schrift und Wissen in Verbindung stehen. Figur 1 trägt eine gebundene Zopffrisur, Ohrschmuck und Lendenschurz aus geflecktem Jaguarpelz; aus seinen Achselhöhlen wächst Vegetation hervor - Sinnbild für schöpferische Kraft, Fruchtbarkeit und das Hervorbringen von Wissen. Figur 2 ist einer der beiden affenartigen Gottheiten, die mit “Hun Batz” und “Hun Chouen” aus dem “Popol Vuh” identifiziert werden. Er hält in der rechten Hand einen Kodex, auf dem ein Effigienkopf platziert ist. Beide gelten in der Mythologie der Maya als Gott der Künste, Musiker, Bildhauer und Schreiber.

Figur 4 zeigt einen meisterhaft gemalten “Moan”-Vogel, der von oben auf die Szene herabblickt und als nächtliches, unterweltliches Wesen eine vermittelnde Rolle zwischen den kosmischen Ebenen einnimmt.

Der Weltenbaum (Fig. 6) und die vierpaßförmige Kartusche (Fig. 7), der er entwächst, bilden die zentrale Achse des Tableaus. Die Kartusche schließt eine halbfigurige (oder sitzende) Gottheit mit Hut ein. Zu ihrer Linken ist Gott “Pauah Tun” (Fig. 5) dargestellt. Aus seinem Mund entspringt eine Art Sprech- oder Wortband, das in einer Blume endet. Dieses Motiv verweist auf die aztekische Metapher für Dichtung, “xochicuicatl“ – das “Blumenlied”. Rechts der Kartusche ist eine weibliche Figur zu sehen, die vermutlich die jugendliche Mondgöttin (Fig. 9) darstellt.

Der “Cauac-Monster-Thron” rechts außen (Fig. 10) dient als Sitz für die Jaguargottheit der Unterwelt (Fig. 8), dargestellt als alter Mann mit Jaguarattributen (geflecktes Fell) auf Jaguarthron. Aufgrund seiner Nachtaktivität wurde der Jaguar als Herrscher über die Nacht und als Hüter der Unterwelt verehrt. Er symbolisiert den Übergang zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.


Publikationen

Kerr, Justin, Maya Vase Data Base, An Archive of Rollout Photographs, K 501 (1998); Coe, Michael D., Lords of the Underworld, Masterpieces of Classic Maya Ceramics, Princeton University 1978, p. 106 ff.; Robicsek, Francis, Donald M. Hales, The Maya Book of the Dead, University of Virginia Art Museum, 1981, fig. 30b


Hinweise

Dieses Objekt unterliegt dem Kulturgutschutzgesetz. Für den Export sind gebührenpflichtige Ausfuhrdokumente nötig.


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