Anthropomorpher Tanzaufsatz · Kamerun, Keaka · ID: 3053473
Ludwig Bretschneider, Munich, Germany
Arno Henseler, Munich, Germany
Beschreibung
Holz, Pigmente, Spiegelglas, der Kopf mit feinen floralen Mustern beschnitzt, die der Mode der Zeit entsprachen, altes handgeschriebenes Sammlungsetikett “No. 19 Kreuzfluss Gebiet. West-afrika”, dazu ein Perlenhalsschmuck aus Tanzania, vermutlich Mwera oder Makua, Sockel
Ursprünglich sollen diese Tanzaufsätze aus echten Menschenschädeln von erschlagenen Feinden bestanden haben. Sie wurden bei der Trophäenparade vorgeführt, bei der die jungen Krieger die Schädel als Mannbarkeitsbeweise auf dem Kopf trugen.
Die Kopfaufsätze tragen zwar sehr realistische, aber keine porträthaften Züge und sind keine Verkörperungen eines bestimmten Ahnen. Vielmehr werden sie über Generationen weitervererbt und verkörpern zusammengenommen die edlen Taten aller Ahnen, die sie jemals in Besitz hatten.
Die Verwendung von Menschenhaut als Überzug des Holzkernes ist nur vage belegt, üblicherweise wurden dünn geschabte Antilopenhaut, auch Affen- oder Schafleder sowie Schweineblasen eingesetzt.
Die hautüberzogenen Kopfaufsätze traten unter anderem bei der “ngbe”- Gesellschaft der Ejagham auf, einem reinen Männerbund, der als ältester Geheimbund im Cross-River-Gebiet gelten kann. “Ngbe” bedeutet in der Sprache der Ekoi “Leopard”. Der Leopardenbund fungierte als eine Art verbindende Institution für die verstreut lebenden Volksgruppen des Cross-River-Gebietes.
Vergleichsliteratur
Zemanek, David, Tanzaufsätze der Ejagham, Dresden 2008, p. 37, ill. 44

