106. Auktion
Zemanek-Münster

Amulett mit mythischer Figur, ca. 7. - 8. Jahrhundert ·  Russische Föderation, Perm Krai, Cherdynsky (Cherdyn) Distrikt · ID: 3053199

Aufruf
15.000 €
Schätzpreis
30.000 €
Provenienz
Belgian Private Collection
Portuguese Private Collection
Größe
H: 16,5 cm
H: 6.5 inch

Beschreibung

Bronze, Sockel

Die hier vorliegende Tafel zeigt einen engen Bezug zu einer Gruppe von acht bedeutenden Tafeln, die in Cherdyn gefunden wurden und sich im Museum of Local Lore in Cherdynsky befinden (siehe Grusenmeyer-Bilquin & Woliner, 2024, S. 73, Fig. 1.). Diese sogenannten “Cherdyn-Tafeln” gelten als Höhepunkte des Perm-Bronzekorpus. Während sie ursprünglich auf das 7. bis 8. Jahrhundert datiert wurden, haben spätere Forschungen ihr Alter auf das 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr., also die späte Eisenzeit, korrigiert.

Die vorliegende Plakette weist insbesondere in Bezug auf zwei Cherdyn-Tafeln (ebenda S. 73, fig. 1, ChKM-1927/1 & ChKM-1927/2) große stilistische Gemeinsamkeiten auf. Die Grundform der durchbrochen gearbeiteten Plakette wird durch eine zentrale Großfigur bestimmt, deren markante, flügelartige Arme und klauenbewehrte Füße besonders ins Auge fallen. Die Figur wird überfangen von einem scheibenförmigen Gesicht und auf Kopfhöhe flankiert von zwei kleinen Assistenzfiguren. Charakteristisch ist zudem die hervorstehende, hakenförmige Nase, die sich von der flachen Gussoberfläche abhebt und an einen Vogelschnabel erinnert.

Die Forschung geht davon aus, dass alle Plaketten weibliche Gottheiten darstellen und archaische mythologische Muster widerspiegeln, die tief in einer matriarchalisch geprägten Tradition verwurzelt sind.

Im Verlauf der Geschichte spielte die weibliche Figur innerhalb der uralischen Mythologie eine herausragende Rolle, insbesondere während der Altsteinzeit, als die uralischen Gemeinschaften als Jäger und Sammler lebten. Ihre Glaubensvorstellungen richteten sich vor allem auf weibliche Naturgeister, die in Landschaften wie Wäldern oder in Gewässern wie Flüssen, Seen und Quellen residierten. Mit dem Übergang zu einer sesshaften Lebensweise in der Jungsteinzeit wandelten sich diese animistischen Vorstellungen zu einer zentralen agrarischen Göttin, die häufig als Große Mutter oder Erd-Mutter bezeichnet wird. Merkmale der Ikonographie dieser Göttin - darunter Darstellungen weiblicher Gottheiten mit tierischen Gliedmaßen - blieben vom Bronzezeitalter bis ins Eisenzeitalter erhalten.


Vergleichsliteratur

Grusenmeyer-Bilquin, Karim & Isabelle D. Woliner, Frozen Magic, The Ancient Art of Siberia, 2024, p. 73, fig. 1.


Hinweise

Dieses Objekt unterliegt dem Kulturgutschutzgesetz. Für den Export sind gebührenpflichtige Ausfuhrdokumente nötig.


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