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Zemanek-Münster
· 8 Minuten Lesezeit

Die Privatsammlung Arno Henseler: Meisterwerke aus Afrika und Ozeanien

Single-Owner Sale und Werke aus weiteren Sammlungen

Seltene Federgeldrolle "manahau" oder "tevau" der Ndende auf den Salomon Inseln

Auktion in Würzburg:
Samstag, 14. November 2026 – 14 Uhr

Vorbesichtigung:
11. bis 13. November von 10 bis 17 Uhr
und nach Vereinbarung

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Wir freuen uns, Ihnen hier und in den kommenden Auktionen eine außergewöhnlich umfangreiche und vielseitige Kunstsammlung präsentieren zu dürfen: Die Privatsammlung von Arno Henseler (1938 - 2025). Über Jahrzehnte hinweg trug der Münchner Galerist und Kunstkenner eine beeindruckende Fülle außereuropäischer Kunst zusammen. Sein besonderes Interesse galt den Kunsttraditionen Afrikas, der Südsee, Indonesiens, Amazoniens sowie den Kulturen der Native Americans und der präkolumbischen Zeit.

Was diese Sammlung in besonderer Weise auszeichnet, ist Henselers ausgeprägter Blick für die künstlerische Qualität und ästhetische Wirkung eines Objektes. Sein Augenmerk galt der individuellen Ausdruckskraft, der besonderen Formensprache und der Präsenz eines jeden Werkes. Zugleich legte er großen Wert auf die sorgfältige Präsentation der Objekte und ihre Wirkung im Zusammenspiel mit dem sie umgebenden Raum.

Highlights aus Afrika und Ozeanien in der Sammlung Henseler
  • Kameruner Grasland, Bamum, Nji Nkome oder seine Werkstatt:  Thronhocker "rü mfo"


    Provenienz
    Sultan Ibrahim Njoya, Foumban, Cameroon (until 1906) · Personal gift of Sultan Ibrahim Njoya to the missionary Martin Göhring of the Basel Mission (ca. 1906) · Martin Göhring (1871 - 1959) · Göhring Family Collection · According to Göhring’s daughter Theodora the throne belonged to the Queen Mother Njapundunke. · Arno Henseler, Munich, Germany

„Ich kaufe nur Dinge, die mir persönlich gefallen“, formulierte er es 2011 in einem Interview mit David Zemanek [1] „Was mich vor allem interessiert ist die Frage nach der Kunst – der Kunstfaktor.“ Als Sohn einer Malerin [2] und im Zweitstudium ebenfalls ausgebildeter Maler interessierte ihn die Verbindung von ästhetischer Qualität und spiritueller Bedeutung. „Diese Objekte haben inhaltlich eine unglaubliche Kraft und Stärke, und formal eine sehr oft hinreißende Ästhetik. Diese Schönheit diente aber immer einem höheren, praktischen oder spirituellen Zweck. Ich vergleiche diese Werke, vor allem die afrikanischen, gerne mit christlicher Kunst des Mittelalters, weil beide Bereiche in ihrem jeweiligen Glauben begründet sind. Gerade diese Einheit von Funktion, Glauben und Gestaltung macht die besondere Qualität aus.“

Arno Henselers Interesse an außereuropäischer Kunst entwickelte sich während seiner Zeit in New York. 1938 in München geboren, studierte er zunächst Betriebswirtschaft in München, bevor er 1970 nach New York ging, um am Hunter College Malerei zu studieren, wo er seinen Master of Arts zum Thema „Patina“ abschloss. „In dieser Zeit bin ich permanent außereuropäischer Kunst begegnet: Werke indigener Kulturen Amerikas, vor allem aber Skulpturen aus Afrika. Diese exotische Kunst hat mich fasziniert.“ Noch in seiner New Yorker Zeit gründet er mit einem Freund eine Galerie für außereuropäische Kunst: „1973, ein spontaner Entschluss, aus der Begeisterung für diese Kunst.“ 1975 kehrte er nach München zurück und führte den Handel zunächst in den Geschäftsräumen in der Schellingstraße fort, bevor er 1989 die „Galerie Henseler – Ethnographica“ in der Galeriestraße, direkt am Hofgarten der Münchner Residenz, eröffnete.

  • Kamerun, Fang:  Große weibliche Figur mit Hörnermaske


    Provenienz
    collected in situ by a German colonial officer (around 1880/90) · The object stayed in the family until 2002 · E. Döppenschmidt, Pforzheim, Germany · Arno Henseler, Munich, Germany
  • Papua-Neuguinea - Bismarck Archipel - Neu Irland - Tabar Inseln:  Figur "malagan" mit Schlange


    Provenienz
    Arno Henseler, Munich, Germany
  • D. R. Kongo, Yombe:  Würdenträgerin


    Provenienz
    Philippe & Lisa Laeremans, Liège, Belgium · Michel Gaud, Saint Tropez, France · Zemanek-Münster, Würzburg, Germany, 25 May 2013, lot 435 · Arno Henseler, Munich, Germany

Sein fundiertes Wissen über die verschiedenen Kulturen entspringt nicht dem Hörsaal, sondern einem über Jahrzehnte gewachsenen Wissen: Es ist das Fundament aus langjähriger Passion, zahlreichen Reisen und unschätzbarer persönlicher Erfahrung. „Ich habe kein theoretisches Ethnologie-Studium absolviert, sondern mir jedes Detail durch unermüdliche eigene Studien, den Austausch mit Sammlern und Kollegen erarbeitet – und ich bin mit Freude und Neugierde immer noch dabei.“

Für ihn besonders prägend waren seine über zwanzig Reisen nach Afrika, vor allem nach Côte d‘ Ivoire und die angrenzenden Länder Westafrikas. Dort erlebte er den Kunsthandel gerade anfangs als eine anspruchsvolle und „harte Schule“, weil jede Kaufentscheidung sorgfältig abgewogen werden musste.

Mit Ludwig Bretschneider, Peter Werner, Fred Jahn – alles Münchner Kunsthändler – stand er in Kontakt: von Werner übernahm er eine Auswahl an Skulpturen als dieser sein Geschäft auflöste. Mit Bretschneider bespielte er – vor allem in dessen späteren Jahren – gemeinsam Messestände.

  • Côte d'Ivoire, Dan:  Stehende weibliche Figur "lü mä"


    Provenienz
    Loed van Bussel (1935-2018), Amsterdam, The Netherlands (1960s) · Maria Wyss, Basel, Switzerland · Hans Wolf, Zurich, Switzerland · René David, Zurich, Switzerland · Harald & Ursula Suhr, Victoria, British Columbia, Canada / Germany (1980) · Zemanek-Münster, Würzburg, Germany, 8 September 2012, lot 110 · Arno Henseler, Munich, Germany
  • Kameruner Grasland, Bamum:  Sitzender Schalenträger


    Provenienz
    Arno Henseler, Munich, Germany
  • Mali, Dogon:  Deckel eines Ritualgefäßes mit sitzender männlicher Figur "ogo banya" oder "ogo koro"


    Provenienz
    Emil Storrer, Zurich, Switzerland · Michael Storrer, Zurich, Switzerland · Swiss Private Collection · Zemanek-Münster, Würzburg, Germany, 31 October 2015, lot 186 · Arno Henseler, Munich, Germany

Arno Henseler gehörte zu der Generation, die den Handel mit afrikanischer Kunst in Deutschland mitprägte, einer Generation, die sich der unterschiedlichen Wahrnehmung außereuropäischer und europäischer Kunst zu stellen hatte. So habe der gemeinsame Messestand mit Kollegen von Metz de Benito auf der Deutschen Kunst- und Antiquitätenmesse noch 1994 für beträchtliche Aufmerksamkeit gesorgt als afrikanische Fetische seiner Galerie den christlich-religiösen Skulpturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert gegenüberstanden.

In Fragen der Provenienz und technischer Prüfverfahren maß Arno Henseler dem persönlichen Vertrauen eine besondere Bedeutung bei. Die Sammlungsgeschichte sei für ihn als Privatsammler „grundsätzlich nicht kaufentscheidend“, gleichwohl respektiere und verstehe er das legitime Interesse einer klaren Provenienz als Absicherung gegen Fälschungen, Raubkunst und Hehlerei – gerade im hochpreisigen Kunstmarkt.

In seiner Galerie organisierte Arno Henseler jährlich Themenausstellungen, wie „Mutter-Kind Skulpturen afrikanischer Ethnien“ (2016), „Himmel und Erde, sakrales Europa - rituelles Afrika“ (2017), „Miniaturmasken südlich der Sahara“ (2018), “Die Kunst afrikanischer Perlenarbeiten südlich der Sahara” (2018), „Südsee Skulpturen“ (2019/2020), „Indonesien: Kunst und Gebrauchsgegenstände“ (2020/2021) oder „African Masks“ im Mai 2021.

Königlicher Thronhocker: Ein persönliches Geschenk des Sultans Ibrahim Njoya an den Missionar Martin Göhring von der Basler Mission (vor 1906)

Im Frühjahr 2005 stand ein monumentaler Thronhocker aus Bamum im Mittelpunkt der Galerie-Ausstellung zum Thema „Afrikanische Hocker Stühle Liegen“ – allerdings mit dem Vermerk „unverkäuflich“.

Es ist die Geschichte eines Herrscher-Geschenkes und ermöglicht uns einen differenzierten Blick auf die komplexen Begegnungen zwischen afrikanischen Herrschern und europäischen Missionaren. Sie macht sichtbar, dass materielle Kultur nicht ausschließlich im Kontext kolonialer Machtverhältnisse zirkulierte, sondern ebenso durch Netzwerke der Freundschaft, der Verhandlung und der gegenseitigen Wertschätzung geprägt waren.

1980 erwarb Arno Henseler diesen mit Perlen und Kauris reich bestickten Thron, ein Werk des Nji Nkome oder seiner Werkstatt, aus dem Familienbesitz des Missionars Martin Göhring (1871-1959). [Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag von Dr. Bettina von Lintig, San Francisco, Juli 2026]

Er ist Teil der umfangreichen Sammlungsofferte, die wir in den kommenden Auktionen präsentieren dürfen. Den Anfang machen Meisterwerke aus Afrika und Ozeanien.

Quellen:
[1] Das Interview mit Arno Henseler führte David Zemanek 2011 im Rahmen seiner Dissertation zum Thema „Der Handel mit Afrikanischer Kunst in Deutschland nach 1945“, Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig, 2016, pp. 105ff
[2] Marion Henseler. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 2: E – J. E. A. Seemann, Leipzig 1955, S. 422 – 423

 

Highlights aus weiteren Sammlungen

 


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